Ganzkörperakupunktur
Geschichte
Die klassische Akupunktur – Zhen Jiu - ist ein Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und wird in China seit jahrtausenden zur Behandlung von äußeren und von inneren Erkrankungen eingesetzt.
Die ältesten schriftlichen Zeugnisse einer Akupunktur-Anwendung in China stammen aus dem 2. Jahrhundert vor Christus. Grabfunde von Steinnadeln, Bambussplitter oder Fischgräten lassen vermuten, dass die Akupunktur in China vor ca. 5000-6000 Jahren bereits therapeutisch genutzt wurde.
Seit dem Fund des „Mannes im Eis“, „Ötzi“, im Jahre 1991 kann man China allerdings nicht mehr als isolierter Entstehungsort der Akupunktur ansehen.
Der „Mann im Eis“ lebte vor ca. 5200 Jahren in Norditalien. Seine Mumie weist mehrere Tätowierungsgruppen in unmittelbarer Nähe bzw. direkt auf den Lokalisationen klassischer Akupunkturpunkte auf. Ihre Kombination entspricht aus der Sicht der Akupunktur einer komplexen, antiarthrotischen Therapie. Die Akupunktur entwickelte sich somit simultan in einem größeren, euroasiatischen Gebiet.
Die erste Erwähnung der Akupunktur in Europa ist 1675 datiert. Der Holländer „De Bondt“ erwähnt in W. Pisos Werk "De utriusque Indiae" entsprechende Beobachtungen aus Japan.
Auch in deutschen tiermedizinischen chirurgischen Werken von vor ca. 150 Jahren ist die Akupunktur als Therapiemethode zu finden. Da damals jedoch Nadeln verwendet wurden, deren Durchmesser „nicht über einer starken Stricknadel“ hinausgingen, und die Nadeln „falls die Haut wie besonders bei Rindern und Hunden Schwierigkeiten bereitet, unter Zuhilfenahme eines Holzes oder Hammers“ gesetzt wurden, war nahe liegend, dass das Setzen der Nadeln „nicht ohne erhebliche Beunruhigung der Tiere zu geschehen“ pflegte. Auch war man sich damals noch nicht bewusst, dass man sich für die erfolgreiche Punktwahl an die Richtlinien der traditionellen chinesischen Medizin halten muß. Somit geriet die Akupunktur in der europäischen Tiermedizin rasch in Vergessenheit. Vor ca. 35 Jahren wurde sie erneut, von den U.S.A: ausgehend, in die Veterinärmedizin eingeführt. Heutzutage werden – wie beim Menschen - sehr feine Einmalnadeln eingesetzt. Inzwischen existieren auch Akupunkturpunktkarten für die gängigen Haustiere.
Prinzip
Durch das Einstechen von Nadeln in definierten Körperstellen wird dem Organismus ein regulativer Reiz gesetzt: Nervensignale gelangen in das Rückenmark und ins Gehirn. Nerven-Schaltstellen werden dort beeinflusst, die u.a. für die Schmerzweiterleitung bzw. für die Schmerzwahrnehmung zuständig sind. Die Muskelspannung und Durchblutung von Körperarealen werden positiv beeinflusst.
Durch die nervale Verschaltung im Rückenmark gelangt der Akupunkturreiz auch zu den inneren Organen und beeinflusst deren Funktion.
Somit hat die Akupunktur – in Abhängigkeit des gewählten Punktes - nicht nur einen lokalen Effekt am Stichpunkt selbst, sondern auch weiter entfernt im Körperinneren.
Indikation
Die Akupunktur hilft beispielsweise bei
- Schmerzen aller Art (Hüftgelenksdysplasie, Bandscheibenvorfall, Arthrosen, etc.)
- Neurologischen Erkrankungen (Harnträufeln, Lähmungen, etc.)
- Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündungen
- Magen-Darmerkrankungen (Verstopfung, Durchfall, etc.)
- Allergien
- Geburtsvorbereitung
- Psychosomatischen Störungen (z.B. Verhaltensveränderungen nach einer lang bestehenden Krankheit)
Für viele Erkrankungen ist sie bereits das Mittel erster Wahl. In anderen Fällen unterstützt sie die Schulmedizin erfolgreich. Im Zusammenhang mit der Behandlung eines Bandscheibenvorfalles vermag die Akupunktur beispielsweise regulativ in die Funktion der Harnblase und des Enddarms einzuwirken.
Im Rahmen der physikalischen Medizin spielt die Akupunktur eine wichtige Rolle bei der Entspannung schmerzhaft verkürzter Muskeln, bei der Deaktivierung von Triggerpunkten und bei der Tonisierung von abgeschwächten und abgebauten Muskeln. Wird die Akupunktur mit einer Bewegungstherapie kombiniert, so verstärkt sich die therapeutische Wirkung.