Indikationen Hund
Vorbeugende Betreuung im Welpenalter

Beratung in der Ernährung und in der optimalen Bewegung von Hundewelpen zur Vermeidung bzw. Verzögerung von Langzeitschäden am Stütz- und Bewegungsapparat. Ein Beispiel ist die Vorbeugung der Entwicklung von Arthrosen am Hüftgelenk bei erwachsenen Hunden. Die angeborene Inkon- gruenz des Hüftgelenks (Hüft- gelenksdysplasie) wird durch eine sportliche Überbelastung des noch nicht ausgereiften skeletto-muskulären Systems im Welpen- alter potenziert.

Eine fehlerhafte Ernährung des Welpens, insbesondere von großwüchsigen Hunden, beeinflusst sensibel die Entstehung von degenerativen Erkrankungen (Gelenksknorpelschäden, OCD) am Bewegungsapparat. Das Vorbeugen ist effizienter und einfacher als das Heilen vorhandener Schäden!

Chirurgische Indikationen

Gezielter Muskelaufbau vor einer geplanten orthopädischen Operation zur Verkürzung der Rekonvaleszenz durch die verbesserte muskuläre Stabilisierung des operierten Gelenks.

Postoperativ nach orthopädischen chirurgischen Eingriffen zur Schmerztherapie sowie zur Vorbeugung von muskulären Dysbalancen und von Folgeschäden wegen körperlichen Fehlhaltungen, Narbenstrikturen und Verklebungen der Gewebeschichten. In der Rekonvaleszenz nach Operationen mit Erschöpfungs- und Schwächeerscheinungen. Betreuung von reversiblen neurovegetativen Funktionsstörungen der Harnblase und des Enddarms wie etwa nach einem Bandscheibenvorfall.

Beispiele: chirurgische Rückenmarksdekompres- sion nach einem Bandscheibenvorfall oder Cauda equina Syndrom, chirurgisch versorgter Kreuz- bandriss, fragmentierter proc. coronoideus medialis ulnae, isolierter proc. anconaeus, Patella- luxationen, Goldimplantate und Endoprothesen, Femur-Kopf-Hals-Resektion, Gelenksarthrodesen, operierte Knochenbrüche (mit und ohne Gelenksbeteiligung), operierte Sehnenverletzungen (z.B. Achillessehne), Amputationen, chirurgisch versorgte Kieferfrakturen, Schmerztherapie nach Eröffnung Bulla tympanica, versorgter Ausriss des M. serratus, versorgter Ausriss der Ursprungs- sehne des M. biceps brachii, Schmerztherapie nach Operationen am Brustkorb, Zwerchfellhernien, konservativ zu behandelnde Beckenfrakturen, Wundheilungsstörungen und funktionsstörende Narben.

Mit der physikalischen Therapie kann man in der Regel unmittelbar nach einer Operation beginnen, im Rahmen der Schmerztherapie sowie zur Vorbeugung von Muskelschwund und Verlust des Bewegungsausmaßes von Gelenken.

Nach Verletzungen

Überbelastung des Stütz- und Bewegungsapparates bei Sport- und Jagdaktivitäten bewirken Mikroverletzungen in Muskeln, die mit einer Einschränkung der Elastizität und mit einer Verkürzung der betroffenen Muskulatur verheilen (z.B. M. infraspinatus, M.biceps brachii, M. quadriceps femoris, M. gracils und M. semitendinosus). Dem Besitzer fällt meist nur eine kurzfristige Lahmheit nach eine sportlichen Aktivität auf, die von selbst vergeht. Nach einigen Wochen manifestiert sich erst das fehlerhafte Gangbild durch die Funktionsstörung des verkürzten Muskels. Je früher ein verletzter Muskel behandelt wird, umso größer ist die Chance einer erfolgreichen Heilung.

Ein weiteres Gebiet ist die Behandlung von reversiblen Nervenschädigungen nach Verletzungen oder Unfällen, wie z.B. eine Radialislähmung oder eine Schädigung des N. ischiadicus nach Verletzungen am Becken.

Internistische Erkrankungen

Viele internistische Erkrankungen verursachen eine lange Rekonvaleszenz mit Erschöpfungs- zuständen, Muskelschwund und neurologischen Störungen. Hierbei muss betont werden, dass sie Physikalische und Rehabilitative Medizin sowie die Akupunktur keineswegs eine schulmedizinische Therapie ersetzen, sondern diese ergänzen und regulativ begleiten.

Beispielsweise ist die Unterstützung in der Rekonvaleszenz von infektiösen Erkrankungen, die den Stütz- und Bewegungsapparat mit betreffen, wie die Toxoplasmose, Brucellose, Neospora canis, Wundstarrkrampf (Tetanus).

Ernährungsbedingte Erkrankungen wie z.B. Übergewicht, die hypertrophe Osteodystrophie und die Grünholzfraktur.

Degenerative Veränderungen am Stütz- und Bewegungsapparat wie bei Morbus Cushing oder Myasthenia gravis. Konservative Behandlung des idiopathischen Vestibulärsyndroms.

Erblindete Hunde finden sich in ihrer gewohnten Umgebung zwar zurecht, durch das Fehlen des Sehvermögens entwickeln sich dennoch Muskelverspannungen und ein unphysiologisches Gangbild. Die Information über die Beschaffenheit des äußeren Umfelds und die Anpassung der Körperhaltung dazu wird nur noch eingebracht durch die Impulsgebung aus der Nackenmuskulatur und aus dem Gleichgewichtsorgan. Die Folge sind Muskelverspannungen, Unsicherheit und Konzentrationsstörungen. Die physikalische Medizin und die Akupunktur vermag den erblindeten Hund neugierig auf Veränderungen der Umwelt zu machen, sein Selbstbewusstsein zu stärken und die verspannte Körperhaltung wieder zu lösen.

Degenerative Abnutzungserscheinungen am Stütz- und Bewegungsapparat
Degenerative Abnutzungserscheinung am Stütz- und Bewegungsaparat haben häufig eine kombinierte Ursache. Gewisse Rassedispositionen sind zwar bekannt (z.B. Legg-Calvé-Perthes-Krankheit), jedoch ist auch die Haltung des Tieres für die Ausprägung der Veranlagung mit verantwortlich, wie eine mangelhafte Bewegung, fehlerhafte Diätetik, Übergewicht, psychische Komponenten (Langeweile, Stress) und chronische anderweitige Erkrankungen im Körper. Somit verursacht die Kombination aus diesen Komponenten degenerative Tendinopathien (z.B. Achillessehne, Sehne des M. biceps brachii), degenerative Umbauprozesse in den Gelenken (Arthrosen wie z.B. in der Wirbelsäule, Knie, Hüfte, Schulter, Ellbogen, Zehen). Die degenerativen Erscheinungen betreffen auch das Nervensystem, wie z.B. bei der degenerativen Myelopathie und der fibrokartilaginösen Thrombembolie.

Manche dieser Veränderungen können chirurgisch nicht mehr therapiert werden. Sie sind jedoch schmerzhaft, erhalten sich selbständig und führen zu Fehlhaltungen, Verhaltensstörungen und weitren Folgeerkrankungen.

Betreuung des geriatrischen (alternden) Hundes

Die Lebenserwartung unserer Haustiere ist aufgrund der verbesserten medizinischen und diätetischen Versorgung gestiegen. Die Aktivität der Schilddrüse sinkt beim alten Tier in den meisten Fällen und bewirkt somit eine Veränderung im äußeren körperlichen Erscheinungsbild, in der körperlichen und in der geistigen Aktivität sowie in den biochemischen Prozessen der Eingeweide. Das Muskelgewebe baut sich ab und wird durch Fettgewebe ersetzt. Dadurch werden die Gelenke instabil, die degenerativen intraartikulären Prozesse beschleunigt und die Bewegungsaktivität verstärkt herabgesetzt.

Die Verdauungsfähigkeit ist verzögert und die Darmbewegungen verlangsamt, es kommt vermehrt zu Verstopfungen. Der Metabolismus nimmt ab, die Durchblutung der Organe und ihre Sauerstoffaufnahme sind reduziert.

Der Schlaf-Wach-Rhythmus und die Regelung der Körpertemperatur sind gestört. Nachtwandeln und eine gesteigerte Kälteempfindlichkeit sind die Folgen.
Das Sehvermögen nimmt ab, die Tiere ziehen sich progressiv in sich zurück, die geistige Aktivität lässt nach.

Alte Tiere haben insgesamt eine herabgesetzte Fähigkeit, ihren Körper vor belastenden Stressfaktoren zu schützen.

Die Physikalische und Rehabilitative Medizin und die Akupunktur verhelfen dem Tier, die Alterungsprozesse zu verzögern und vermögen regulativ in die oben genannten Funktionsstörungen einzugreifen.