Indikationen Katze
Fast alle Katzen sind für eine Behandlung mit der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin und/oder Akupunktur zugänglich. Die therapeutisch anzugehende Strategie muss allerdings - ihrem Naturell entsprechend - anders sein als beim Hund. Katzen sind sensible Geschöpfe, die ihre Schmerzen und ihr Leid häufig nicht zeigen.Die meisten der therapeutischen Indikationen für Katzen sind dieselben wie beim Hund. Einige Besonderheiten seien hier jedoch aufgelistet.
Chirurgische Indikationen
Postoperativ nach orthopädischen chirurgischen Eingriffen zur Schmerztherapie sowie zur Vorbeugung von muskulären Dysbalancen und zur Vermeidung von Folgeschäden durch körperliche Fehlhaltungen,
Narbenstrikturen und Verklebungen der Gewebeschichten. In der Rekonvaleszenz nach einer Operationen mit Erschöpfungs- und Schwächezuständen.Postoperative Beispiele: versorgte Diastase, versorgte Beckenfraktur , v. a. bei Beteiligung von Nervenschädigungen, Wirbelsäulenfrakturen, Bandscheibenvorfall.
Schmerzbehandlung nach einer versorgten Zwerchfellhernie, Gesichtsschädel- und Kiefer- fraktur, operative Eröffnung der Bulla tympanica.
Betreuung von reversiblen neuro-vegetativen Funktionsstörungen der Harnblase und des Enddarms wie etwa beim Kippfenstersyndrom oder beim Schwanzabriss.
Mit der physikalischen Therapie kann man in der Regel unmittelbar nach einer Operation beginnen, im Rahmen der Schmerztherapie sowie zur Vorbeugung von Muskelschwund und Verlust des Bewegungsausmaßes von Gelenken.
Nach Verletzungen
Das Kippfenstersyndrom ist in Europa eine in den heißen Monaten stark vertretene Verletzung bei Katzen. Beim Versuch, aus gekippten Fenstern hinaus- bzw. hineinzuspringen, bleiben die Katzen hängen und können sich meistens nicht von selbst befreien. Der Schweregrad der Verletzungen variiert, meistens sind die Hinterbeine gelähmt, manchmal in Kombination mit einer gestörten Harnblasenentleerung.
Das Kippfenstersyndrom wird - sofern keine Wirbelfrakturen als Komplikation vorliegen - hauptsächlich mit Physikalischer und Rehabilitativer Medizin und Akupunktur behandelt.
Eine weitere Indikation ist die Schmerztherapie von konservativ zu behandelnden Beckenfrakturen.
Internistische Erkrankungen
Das wesentliche internistische Problem, dass bei Katzen mit der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin behandelt wird, ist das Übergewicht. Andere ernährungsbedingte Erkrankungen, die als Folgeerscheinung den Stütz- und Bewegungsapparat beeinträchtigen, sind Taurin-, Thiamin- bzw. Kalium-Mangel und eine Vitamin A - Hypervitaminose.In der Rekonvaleszenz von Infektionskrankheiten wie Toxoplasmose oder Wundstarrkrampf (Tetanus). In der Rekonvaleszenz von lang anhaltenden Erkrankungen mit Erschöpfungs- und Schwächezuständen.
Behandlung der plantigraden Fußung bei Katzen mit Diabetes mellitus. Hier sei nochmals betont, dass internistische Erkrankungen keinesfalls ausschließlich mit Physikalischer und Rehabilitativer Medizin und Akupunktur behandelt werden, sondern die Schulmedizin regulativ unterstützt.
Degenerative Abnutzungserscheinungen am Stütz- und Bewegungsapparat
Auch Katzen werden von degenerativen Veränderungen am Stütz- und Bewegungsapparat nicht verschont.
Aus einer aktuellen Studie aus der Tierärztlichen Universität in Glas- gow kam hervor, dass die in der Studie untersuchten Katzen über 8 Lebensjahren Arthrosen auf den Röntgenaufnahmen aufwiesen, v. a. in den Ellbögen, in der Wirbel- säule und in den Hüftgelenken. Die meisten der betroffenen Katzen zeigten dabei Probleme beim Springen oder eine reduzierte Bewegungsaktivität. Durch eine gezielte Schmerztherapie verbesserte sich deutlich die Symptomatik.
Betreuung der geriatrischen (alternden) Katze
Auch Katzen werden durch die verbesserte medizinische und diätetische Versorgung älter als vor einigen Jahrzehnten. Die Alterserkrankungen der Katze entsprechen denen des Hundes. Die schwachen Organe bei der Katze sind die Schilddrüse und die Nieren. Bei der Katze kann es im Alter zu einer erhöhten Aktivität der Schilddrüse kommen.
Die Aktivität der Schilddrüse sinkt aber in der Regel und bewirkt somit eine Veränderung im äußeren körperlichen Erscheinungsbild, in der körperlichen und in der geistigen Aktivität sowie die biochemischen Reaktionen in den Eingeweiden. Das Muskelgewebe baut sich ab und wird durch Fettgewebe ersetzt. Dadurch werden die Gelenke instabil, die degenerativen intraartikulären Prozesse beschleunigt und die Bewegungsaktivität verstärkt herabgesetzt. Die Verdauungsfähigkeit ist verzögert und die Darmbewegungen verlangsamt, es kommt vermehrt zu Verstopfungen (Koprostase). Der Metabolismus nimmt ab, die Durchblutung der Organe und ihre Sauerstoffaufnahme sind reduziert.
Der Schlaf-Wach-Rhythmus und die Regelung der Körpertemperatur sind gestört. Nachtwandeln und eine gesteigerte Kälteempfindlichkeit sind die Folgen.
Das Sehvermögen nimmt ab, die Tiere ziehen sich progressiv in sich zurück, die geistige Aktivität lässt nach.
Alte Tiere haben insgesamt eine herabgesetzte Fähigkeit, ihren Körper vor belastenden Stressfaktoren zu schützen.
Das Vorkommen von chronischen Schmerzen bei alten Katzen wird häufig verkannt. Der Besitzer interpretiert den herabgesetzten Spieltrieb seiner Katze als ein Zeichen des Altwerdens. Diese Annahme kann der Tatsache entsprechen. Dennoch sollte man sich in Zweifelsfällen die Meinung eines Tierarztes einholen.
Die physikalische Medizin und die Akupunktur verhelfen dem Tier, die Alterungsprozesse zu verzögern und vermögen regulativ in die oben genannten Funktionsstörungen einzugreifen.